BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

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8. März - Internationaler Frauen(kampf)Tag

08.03.26 – von Silvia Gora –

Der Internationale Frauen(kampf)tag ist kein symbolischer Kalendereintrag. Er ist ein politischer Auftrag. Ein Tag, der daran erinnert, dass Gleichberechtigung kein Selbstläufer ist – weder weltweit noch hier bei uns in Warendorf.

Vieles hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Frauen sind sichtbarer in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Rechte wurden erkämpft, Chancen erweitert, Strukturen verändert. Doch echte Gleichstellung bedeutet mehr als formale Rechte. Sie bedeutet gleiche Möglichkeiten, gleiche Teilhabe, gleiche Anerkennung – im Alltag, im Beruf, in politischen Entscheidungsprozessen und in unserer gesellschaftlichen Wahrnehmung.

Und genau deshalb braucht es diesen Tag weiterhin.

 

Gleichstellung beginnt vor Ort – auch in Warendorf

Gleichstellung ist kein abstraktes politisches Konzept. Sie wird konkret dort, wo Menschen leben, arbeiten und Entscheidungen treffen: in Städten, Gemeinden und Kommunen.

Auch in Warendorf ist Gleichstellung ein fester Bestandteil kommunaler Arbeit. Die Gleichstellungsstelle der Stadt setzt sich dafür ein, die im Grundgesetz verankerte Gleichberechtigung von Frauen und Männern auf lokaler Ebene umzusetzen, berät Verwaltung und Öffentlichkeit und organisiert Veranstaltungen sowie Projekte. 

Und es gibt weitere wichtige Angebote: Die Frauenberatungsstelle Warendorf unterstützt Frauen und Mädchen ab 16 Jahren mit Beratung, Information und konkreter Hilfe im Alltag. 

Diese Einrichtungen zeigen: Gleichstellung wird vor Ort aktiv gestaltet. Sie braucht Engagement, Ressourcen und politische Priorität.

 

Feminismus und Klimapolitik gehören zusammen

Als Grüne wissen wir: Gleichstellung ist nicht nur eine Frage individueller Rechte. Sie ist eng mit globaler Gerechtigkeit verbunden – und damit auch mit Klimapolitik.

Die Klimakrise trifft Menschen unterschiedlich. Weltweit sind Frauen häufig stärker von ihren Folgen betroffen – etwa durch ökonomische Ungleichheit, ungleiche Zugänge zu Ressourcen oder gesellschaftliche Rollenverteilungen. Gleichzeitig sind Frauen zentrale Akteurinnen in Umweltbewegungen, nachhaltiger Entwicklung und sozialem Wandel.

Eine gerechte Klimapolitik kann deshalb nicht geschlechtsneutral gedacht werden. Und eine gerechte Gleichstellungspolitik kann ökologische Fragen nicht ausblenden. Beides gehört zusammen - soziale, ökologische und geschlechtergerechte Transformation.

 

Gewalt gegen Frauen bleibt Realität

So sehr sich unsere Gesellschaft verändert hat, so sehr bleibt doch eine erschütternde Realität bestehen: Noch immer sind Frauen in Deutschland in hohem Ausmaß von Gewalt betroffen – oft durch Partner oder Ex-Partner, häufig im eigenen Zuhause. Hinter jeder Zahl steht ein Mensch, eine Geschichte, ein Leben, das von Angst, Kontrolle oder Verletzung geprägt ist. Diese Gewalt geschieht nicht im Verborgenen einer „anderen“ Welt, sondern mitten in unserer Gesellschaft. Gleichstellung bedeutet deshalb immer auch, Frauen wirksam zu schützen, Hilfsangebote zu stärken und klar zu benennen: Gewalt gegen Frauen ist kein privates Problem – sie geht uns alle an.

 

Was unsere Gesellschaft trägt, muss endlich sichtbar werden – Care-Arbeit gerecht verteilen

So vieles, was unsere Gesellschaft trägt, bleibt im Alltag unsichtbar: Kinder betreuen, Angehörige pflegen, den Haushalt organisieren, emotionale Verantwortung übernehmen. Noch immer wird ein großer Teil dieser Sorgearbeit von Frauen geleistet – oft selbstverständlich erwartet, oft unbezahlt oder schlechter entlohnt. Genau darauf macht auch der bundesweite Frauenstreik am 9. März aufmerksam. Frauen legen ihre bezahlte und unbezahlte Arbeit nieder, um sichtbar zu machen, was sonst im Hintergrund geschieht – und wie unverzichtbar diese Arbeit für unser gesellschaftliches Zusammenleben ist. Denn echte Gleichstellung bedeutet auch, Fürsorgearbeit gerecht zu verteilen, anzuerkennen und politisch ernst zu nehmen.

 

Gleichstellung heißt auch: Vielfalt anerkennen

Wenn wir über Frauen sprechen, sprechen wir nicht über eine einheitliche Gruppe. Lebensrealitäten sind vielfältig – geprägt durch Herkunft, soziale Lage, Alter, Behinderung, sexuelle Orientierung, Religion oder Migrationserfahrung.

Manche Frauen erleben mehrere Formen von Benachteiligung gleichzeitig. Andere haben mehr gesellschaftliche Privilegien. Eine moderne Gleichstellungspolitik muss diese Unterschiede ernst nehmen.

Intersektionalität bedeutet: Gerechtigkeit funktioniert nur, wenn niemand übersehen wird.

Eine offene, demokratische Gesellschaft muss Vielfalt nicht nur akzeptieren, sondern aktiv ermöglichen.

 

Perspektiven verändern: Der männliche Blick

Doch Gleichstellung betrifft nicht nur politische Programme oder institutionelle Strukturen. Sie betrifft auch unsere Wahrnehmung selbst.

Das Konzept des „männlichen Blicks“ zeigt, wie tief gesellschaftliche Perspektiven geprägt sind. Über Jahrzehnte hinweg wurden Medien, Bilder, Rollenmodelle und Erzählungen überwiegend aus männlicher Sicht gestaltet. Das beeinflusst, wer sichtbar ist, wer handelt, wer bewertet wird – und wie wir uns selbst und andere wahrnehmen.

Gleichstellung bedeutet deshalb auch, Sehgewohnheiten zu hinterfragen:

-       Welche Rollenbilder erscheinen selbstverständlich?

-       Wer wird als aktiv dargestellt, wer als Objekt der Betrachtung?

Diese Fragen sind politisch. Denn gesellschaftliche Wirklichkeit entsteht auch durch Bilder, Sprache und Erwartungen.

Und hier wird etwas ganz Wichtiges deutlich: Gleichstellung ist kein Projekt für Frauen allein. Sie ist eine Aufgabe für alle – auch für Männer. Nicht als Gegner, sondern als Verbündete.

 

Gleichstellung gestalten – gemeinsam in Warendorf

Warendorf hat Strukturen, Initiativen und engagierte Menschen, die sich für Gleichberechtigung einsetzen. Gleichzeitig zeigen Zahlen und Erfahrungen, dass noch viel Veränderung notwendig ist – in Führungsstrukturen, in gesellschaftlichen Rollenbildern, in politischer Repräsentation und in der alltäglichen Wahrnehmung.

Der Internationale Frauentag erinnert uns daran, dass Fortschritt möglich ist – aber nicht von allein geschieht.

Gleichstellung entsteht durch politisches Handeln, durch gesellschaftliches Engagement, durch Reflexion und durch den Mut, Perspektiven zu verändern.

Für eine gerechte, vielfältige und zukunftsfähige Gesellschaft.

 

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