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04.06.2022

Rathausecho vom 04.06.2022

Klaus Aßhoff

 

12,5 Millionen Euro im Jahr sind sehr viel Geld. Das ist der Betrag, den die Stadt Warendorf dem Kreis Warendorf dafür zahlt, dass er mit Fachkräften die Hilfe für Kinder, Jugendliche und Familien leistet. Dass Kreise diese hochkomplexe, hochsensible und personell anspruchsvolle Aufgabe übernehmen, ist bundesweit Standard. Neben NRW dürfen nur in Hessen und Rheinland-Pfalz noch größere Städte ein eigenes Jugendamt errichten. Warendorf wäre groß genug. Aber niemand weiß, ob es dann besser liefe als jetzt. Diskussionen darüber gab es schon lange.

Die FWG möchte jetzt Klarheit haben und die Verwaltung mit einer Untersuchung beauftragen. Bei uns Grünen gehen die Meinungen dazu auseinander, zumal das sicher eine Studie bedeutet. Die Befürworter glauben, dass mit einem Stadtjugendamt mehr Bürgernähe und passgenaue Hilfen möglich wären. Der Stadtrat hätte mehr Durchblick über die Verwendung des vielen Geldes und könnte sie besser steuern. Die Skeptiker dagegen befürchten, dass nun eine teure Studie folgt, die selber schon Zigtausende Euro verschlingen dürfte, um anschließend ernüchtert erkennen zu müssen: Machbar wäre ein Stadtjugendamt, aber die Vorteile sind gegebenenfalls gering.

Dass die Mitarbeiter des jetzigen Kreisjugendamtes hochqualifiziert arbeiten, bestreitet ohnehin niemand, auch die FWG nicht. Es geht um den Sitz der Behörde und darum, wer sie kontrolliert, Landrat und Kreistag oder Bürgermeister und Stadtrat. In beiden Fällen zahlt die Stadt Warendorf ihren Teil. Und das wird in Zukunft nicht weniger werden, weil die Probleme der Familien wachsen. Die Skeptiker bezweifeln also, dass sich der ganze Prüfungsaufwand lohnt. Und dann haben wir noch die Gegner, zu denen auch ich selbst zähle. Wir befürchten bei einer Verlegung des Jugendamtes zur Stadt einen „Brexit-Effekt“. Nach unserer Ansicht ist der Umbau einer gut funktionierenden Behörde weder notwendig noch sinnvoll.

Das Kreisjugendamt verfügt eben wegen der gemeindeübergreifenden Zusammenarbeit über eine breite Mitarbeiterschaft mit hochspezialisierten Teams. Warendorf allein könnte sich das so nicht leisten. Einig sind wir Grünen uns aber darin, dass der Landrat die ganze Debatte als Signal werten sollte: Das Kreisjugendamt muss enger mit seinen Geldgebern zusammenarbeiten.

Die Bedarfsermittlung für Kita-Plätze ist nur ein Beispiel. Zusammen würde mehr Zielgenauigkeit gelingen. Das Arbeitsverständnis der Verantwortlichen des Kreisjugendamtes muss von dem einer „oberen“ Behörde weiter entwickelt werden zur Servicestelle für die Städte und Gemeinden. Gelingt das, dürfte niemand ein städtisches Jugendamt benötigen, meine ich. Zumal es den Kindern, Jugendlichen und Familien völlig gleichgültig sein dürfte, wer hilft. Hauptsache, die Hilfe kommt an.

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